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27.03.11 16:00 Ausstellung

NIDDEN UND DIE KURISCHE NEHRUNG

Malerei der Vergangenheit

Gustav Rüggeberg

27. März . bis 22. Mai. 2011  Ausstellung

Lange waren Nidden und die Kurische Nehrung in Vergessenheit geraten. Die Kurische Nehrung versank durch die Folgen des Krieges in einen tiefen Schlaf. Bis sie dann Anfang der 90er Jahre  zu neuem Leben erwachte. Aber auch der Zugang zu der Enklave Kaliningrad wurde von den Russen erleichtert  und so war die Kurische Nehrung sowohl von Norden von Klaipeda, ehemals Memel,  als auch von Süden über Kaliningrad/Königsberg wieder erreichbar. Die ersten Besucher, viele aus Deutschland, reisten mit dem Auto oder Bus  an und besuchten ihre ehemalige Heimat. Die Kurische Nehrung war wieder da. Mit einer Länge von 98 km ist sie heute  in der Mitte geteilt und gehört  mit dem nördlichen Teil zu Litauen und im Süden zum Kaliningrader Gebiet, zu Russland. Bei Kilometer 44 liegt der Ort Nida früher Nidden, das Herz der Kurischen Nehrung und das Paradies der Maler. Durch seine Lage und die es  umgebende einzigartige Landschaft zog Nidden viele Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und viele Künstler an, aus der Berliner Region z. B. Wilhelm von Humboldt, Joachim Prinz von Preußen – Sohn Wilhelm II, Heinz Rühmann, Leni Riefenstahl sowie Siegmund Freud, Carl Zuckmayer und Thomas Mann, der sich 1929 entschloss,  ein Ferienhaus in Nidden zu bauen. Von den Malern sind zu nennen allen voran Max Pechstein, Schmidt-Rottluff, Lovis Corinth und viele mehr. Sie alle logierten und trafen sich im Gasthof Blode in Nidden und so entstand die Niddener Künstlerkolonie auch scherzhaft „Sandakademie“ genannt. Dass diese Künstlerkolonie wieder in einem Atemzug mit Worpswede, Ahrenshoop oder Barbizon genannt wird,  ist einmal durch den deutschen Expressionismus zu erklären, der hier entscheidend mit beeinflusst worden ist und zum andern ist es  u. a. ein Verdienst von Maja Ehlermann-Mollenhauer, der Enkelin von Hermann Blode, dem Besitzer des Gasthofes und  Treffpunkt  der Künstler und von Dr. Jörn Barfod, dem Leiter des Ostpreussischen Landesmuseums in Lüneburg. Beide haben jahrelang durch  viele Ausstellungen und Vorträge maßgeblich dazu beigetragen, dass die Niddener Künstlerkolonie wieder in unser Bewusstsein gerückt wurde. Diese Ausstellung soll jetzt daran anknüpfen und auf die Maler, die es nach Nidden zog, aufmerksam machen; an die Maler, die begeistert waren von dem Licht, von den glühenden Farben , die sie in der Natur fanden.  Aber auch die Bewohner der Kurischen Nehrung, kräftig von Statur, fast alle lebten vom Fischfang , waren ihre Freunde. Sie hielten sie  oft in ihren Bildern fest, urwüchsig und fromm,  vom schweren Leben gezeichnet. Viele Kunstwerke sind im Krieg verloren gegangen. Die noch erhaltenen und wiedergefundenen Bilder sind heute sehr gesucht. Sie erzielen auf Auktionen hohe Preise und wechseln selten ihre neuen Besitzer, zumeist sind es Privatsammler. Die  in Zehdenick ausgestellten  Werke stammen ebenfalls aus einer Privatsammlung, die in den letzten 15 Jahren zusammengetragen worden ist. Alle Arbeiten entstanden vor dem Krieg. Von den zahlreichen in der Ausstellung  vertretenen Malern werden Carl Knauf und  Karl Eulenstein hervorgehoben. Beide Künstler sind  Repräsentanten der  Kunst die man mit der  Niddener  Künstlerkolonie verbindet. Carl Knauf, ein Rheinländer war einer der ersten Maler, der sich in Nidden niederließ und ein Haus auf dem sogenannten Schwiegermutterberg baute, von dem man einen herrlichen Ausblick nach Norden auf Purwin und das Haff hatte.   

Mit dem Bau beauftragte er den Architekten Reissmann aus Memel. Thomas Mann ließ sich danach von demselben Architekten sein Sommerhaus bauen. Beide waren also Nachbarn. Thomas Mann nannte den Blick auf das Haff „Italienblick“. Dieser war eines der beliebtesten Motive für die Künstler, die nach Nidden kamen. Zu den weiteren immer wieder gewählten  Motiven zählten die Hohe Düne im Süden von Nidden und die schweren Kurenkähne mit den  typischen Kurenwimpeln oben am Mast. Carl Knauf ist ein Vertreter der spätimpressionistischen Malerei  der Niddener  Künstler. Sie standen den Jüngeren,  den neuen Strömungen des Expressionismus kritisch gegenüber. Knauf konnte wie kein anderer  die Stimmungen, die das Licht im Dorf und auf das Haff zauberte in seinen Bildern darstellen. Selten waren seine wunderbaren Arbeiten auf Ausstellungen zu sehen. Hier werden zum ersten Mal mehrere seiner Bilder aus Nidden gezeigt. Der Maler starb 1944 und ist auf dem bekannten Niddener Friedhof beigesetzt, neben dem Grabmal  von Hermann Blode. Kunsthistorisch bedeutsam ist die Tatsache, dass besonders aus der Niddener Künstlerkolonie noch viele Maler nach dem Verlust ihrer Wirkungsstätte ihre Eindrücke von früher aus der Erinnerung weiter dargestellt haben. Dafür stehen die Bilder von Karl Eulenstein, der in Memel geboren wurde und an der Königsberger Akademie studierte. Sie  erinnern an das tragische Ende der Niddener Künstlerkolonie, von denen viele Maler fast ihr ganzes Werk am Ende des Krieges  verloren haben, darunter auch Ernst Mollenhauer, der Vater von Maja Mollenhauer und letzter Besitzer des Gasthof Blode.  Doch die Eindrücke aus der Heimat und die Erinnerungen an die einzigartige Nehrungslandschaft waren in diesen Künstlern  so stark, dass sie ihnen stets gegenwärtig blieben  und sie die Erlebnisse von früher  weiter malten und das in einer noch stärkeren Ausdruckweise als sie  es  im klassischen  Expressionismus konnten.

Eröffnung: Sonntag, 27. März 2011 / 15:00 Uhr

Rede:  Dr. Bernd Schimpke, Sammler / Hamburg
Musik: VELVE / Singer, Songwriter ( voc, p ) &
          Rau Bastida (g) Spanien

Neben den vielen Unterstützern dieser Ausstellung möchten wir besonders der Staatskanzlei Brandenbung in Potsdam danken für Ihre kooperative Unterstützung.