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Archiveintrag

18.10.08 19:30 Konzert

"herzverloren"

französische Chanxons deutsch versungen

Als ich in den 90er Jahren für einige Zeit nach Paris ging, wärmten mich in der Fremde einige französische CDs mit Liedern von Michèle Bernard, Renaud, William Sheller, Maxime Le Forestier, Bernard Lavilliers, Lynda Lemay, Noir Desir, Juliette, Gilbert Laffaille, die mir meine Vormieterin hinterlassen hatte. Ich verstand kein einziges Wort und war doch fasziniert von diesen "Chansons à texte", in denen es um alles Mögliche, nicht aber um Liebe-Triebe-Herz-Schmerz ging. Nahm ich an. Ich buk mir die Inhalte passend zu meiner Seelenlage. Kein Geld, aber in Paris, wo nichts geht ohne Geld. Kein Wort Französisch, die Freunde weit, fernab Welt von von guten Gesprächen. Isolationssüchtig und isolationsgeschädigt geriet ich in eine fremde akustische Melankomikern..., Poeten, Sarkasten, Alltagsphilosophen, für die Franzosen so lebensnotwendig, wie das tägliche Baguette. Worüber singen die, worum geht's?

In Deutschland ist (abgesehen von der der Nouvelle Vague, Camille, Benabar, Têtes Raides, Grand Corps Malde, Vin-cent Delerm) vor allem die Generation der Dinosaurier des französischen Chansons bekannt, die vor dem ersten und zwischen den beiden Weltkriegen des 19. Jahrhunderts ge-borenen Chansonniers, wie Edith Piaf, Juliette Gréco, Jacques Brel, Georges Brassens, Léo Ferré, Charles Azna-vour, Yves Montand. Die Inhalte ihrer Lieder verstehen zu wollen, scheint im Ausland kein Bedürfnis zu sein. Es geht um die vermeintliche Botschaft des französischen "Savoir Vivre", das uns Deutsche fasziniert, weil wir es nicht verstehen. In meinem neuen Programm "herzverloren" (nach einem Chanson von Renaud) schmücke ich mich mit fremden Fe-dern: Ich singe Lieder meiner französischen Sängerkollegen und Freunde in eigenen deutschen Nachdichtungen, sowie in Übertragungen von Regina Scheer, Richard Pietraß, und Michael Wüstefeld. Mit dem Satz "Coverversionen sind Lie-benserklärungen an Kollegen" (von wem ist der eigentlich?) ist alles gesagt über das neue Programm. Denn irgendwie sind die Lieder durch die intensive Beschäftigung mit ihnen zu meinen eigenen geworden. Lieder, in denen es um Liebe und Hass, Geburt und Tod, um Kriege, Hoffnung, Ansichten und Weitsichten geht, um die Welt. Die Welt von Frankreich aus betrachtet, ein Perspektivwechsel auch für das Publi-kum.  Barbara Thalheim, August 2008      

Barbara Thalheim (voc, g,)
Jean Pacalet (acc., voc.)
Rüdiger Krause (g, voc)
Topo Gioia (perc.)
Bartek Mleynek (b)

www.barbara-thalheim.de

Eintritt  10,00 €  / Ermäßigung 8,00 €  / Schüler 5,00 €