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Archiveintrag

08.11.08 19:30 Konzert, Veranstaltung allg.

"Von Hitler vertrieben, von Stalin ver-folgt. Die Geschichte des Jazzmusi-kers Eddie Rosner".

Im Gedenken an die Reichspogromnacht (70. Jahrestag) am 09.11.1938 stellen wir Ihnen an diesem Abend das außergewöhnliche Leben und die Musik des Musikers Eddie Rosner vor.

Der Jazztrompeter Eddie Rosner hatte in seinem Leben gleich unter zwei Diktaturen zu leiden. Geboren wurde er 1910, als Sohn polnisch-jüdischer Eltern in Berlin, und trotz klassischer Musikausbildung verspürte er schon früh eine Affinität zum Swing, zum Jazz.

Den strahlenden Klang seiner Trompete konnte man in der berühmten Band der „Weintraub Syncopators“ hören. Als Jude war er ab 1933 nicht mehr sicher in Deutschland, ein unruhiges Leben begann, das ihn und seine Band durch ganz Europa führte. Höhepunkte waren seine Auftritte in Paris und ein legendenumwobenes Treffen mit Louis Armstrong. Im September 1939 floh Rosner mit seiner jungen Braut und deren Eltern aus Polen - und konnte schon bald darauf das erste Byelorussische Staatliche Jazzorchester gründen. Eine anstrengende, erfolgreiche Zeit begann, besonders während des Krieges absolvierte das Orchester Hunderte von Auftritten. Eine ganz besondere Show, ein Privatauftritt, musste für Stalin auf der Krim absolviert werden. Nach dem Krieg wurde Rosners Musik nicht mehr länger gelitten. Als der polnische Staatsbürger Rosner die Grenze der Sowjetunion überschreiten wollte, wurde er festgenommen und wegen angeblicher Spionage in eins der vielen Lager des Gulag deportiert. Aber selbst hier blieb ihm das Glück treu, und er blieb der Musik treu. Eine seiner Aufgaben im Lager war die Zusammenstellung eines Orchesters. Eddie Rosner wurde 1954 amnestiert, und erneut konnte er die Menschen begeistern, er gab Konzerte, trat im Radio auf, es gab Plattenaufnahmen. Doch Rosner wollte auswandern, gerne wollte er zurück in seine Heimatstadt Berlin. Nach langen Versuchen gelang dies, doch er konnte nicht mehr an die Triumphe von früher anknüpfen.

1976 starb Eddie Rosner.

Maximilian Preisler,
der uns diese außergewöhnliche Biographie vorstellen wird, sprach mit Nachkommen von Eddie Rosner und mit Zeitzeugen, die Rosner im Berlin der Nachkriegszeit erlebten und die ihn in russischen Filmen bewunderten.

Konzert im Anschluss an den Vortrag:
DIRK ENGELHARDT Quartett spielt Eddie Rosner

Dirk Engelhardt (ts/ss/arr)
Franz Bauer (vib)
Horst Nonnenmacher (b)
Christoph Schlemmer (dr/perc)

Mit diesem Konzert erstellt das DIRK ENGELHARDT Quartett mit einer Mischung aus Stücken von Rosner Re-pertoire und modernen Spieltechniken der letzten Jahr-zehnte eine Hommage an einen der bedeutendsten frühen deutschen Jazzmusiker, dessen Kunstfertigkeit und Verve sich in den Wirren des 20. Jahrhunderts nur begrenzt ent-falten konnte.