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Archiveintrag

08.10.09 19:30 Filmvorführung, Veranstaltung allg.

Gesicht zur Wand / Face the Wall

Film und Gespräch mit dem Autor Stefan Weinert und einem Protagonisten Mario R.

Botschaft des Großherzogtums Luxemburg

Gesicht zur Wand ist ein sehr persönliches Portrait über fünf durch die Stasihaft traumatisierter Menschen. Sie stehen für eine Gruppe von 72.000 ehemals inhaftierter DDR-Republikflüchtiger. Der Film lebt von der Authentizität ihrer Personen und ihrer - durchaus unterschiedlichen - Auseinandersetzung mit der Vergangenheit; von dem „sich wieder hinein versetzen in erniedrigende Situationen“. Ihr Leiden wird mit zunehmender Dauer des Film fühlbar, ohne damit einen Opfermythos zu bedienen. Der Film stellt die Methoden der Staatssicherheit bloß. Dem unbeteiligten Zuschauer erscheinen diese Methoden fern, beinahe mittelalterlich, für die Dabeigewesenen sind sie absolut gegenwärtig und liegen wie ein Stein auf der Seele. Lässt man sich auf den nüchternen Stil des Films ein, zieht er einen in seinen Bann. 

Protagonisten:

Catharina M.
inhaftiert wegen Republikflucht im Alter von 19 Jahren. Geboren im Dezember 1956 in Berlin-Mitte. Erlebte den 13. August 1961 dort hautnah. Ab Frühjahr 1962 lebte sie bis zum Januar 1976 in Dresden und ab 1977 wieder in Berlin.
Aktuell ist sie als Zeitzeugen-Referentin aktiv.
http://www.myblog.de/fiolka

Mario R.
inhaftiert wegen Republikflucht im Alter von 19 Jahren.
Ist heute aufgrund des erlittenen Traumas durch die Stasihaft berufsunfähig. Trotz gesundheitlicher Probleme engagiert er sich für die Opfer des SED-Regimes.

Anne K.
inhaftiert wegen Republikflucht im Alter von 38 Jahren. Sie hat ein Buch über ihre Geschichte geschrieben und engagiert sich als Zeitzeugin zur Aufklärung der DDR-Diktatur.
Ihr Fluchtgefährte verstarb 2007, wahrscheinlich an den Folgen der Behandlung durch die Staatssicherheit.

Andreas B.
inhaftiert wegen „ungesetzlicher Kontaktaufnahme“ im Alter von 34. Er fühlt sich „wie aus einer Zeitmaschine gefallen“. Er lebt heute zurück gezogen mit seiner Familie. Aufgrund der Haftschäden, befindet er sich in medizinischer und therapeutischer Behandlung.

Lothar R.
wurde 1960 und `62 wegen Passvergehen (Republikflucht) verhaftet. Zum Zeitpunkt seiner 2. Verhaftung war er 26. Heute kämpft er um die Rückübertragung seines Landbesitzes. Noch immer ist er zeitweise in therapeutischer Behandlung zur Traumabewältigung.

Presse:
 „... Der Kölner Regisseur Stefan Weinert erzählt da weiter, wo der oscarprämierte Spielfilm „Das Leben der Anderen“ abbricht. Er braucht keine aufwendigen Kulissen, nur Mut, seine Protagonisten ausreden zu lassen. Manchmal verstummen sie, und dann hört der Dokumentarist in die Stille hinein.
Wie er die wiederkehrenden Motive des Ausgeliefertseins, der Wut und Scham feinfühlig zu einem Drama montiert, das ist die ganz hohe Schule der Geschichtsschreibung.“
DIE ZEIT  (05.02.2009)

„... Der Film lebt von der Authentizität der Personen und ihrer – durchaus unterschiedlichen – Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, von dem „sich wieder Hinein Versetzen in erniedrigende Situationen“. Ihr Leiden wird mit zunehmender Dauer des Films fühlbar, ohne damit einen Opfer-Mythos zu bedienen.
Der Film stellt die Methoden der Staatssicherheit auf erhellende Weise bloß. Wenn man sich auf seinen nüchternen Stil einlässt, zieht er einen in den Bann.“
Ich wünsche dem Film viele Zuschauer.

Marianne Birthler
Bundesbeauftragte
(Grußwort zum Film Volksbühne Berlin 08.02.2009)

Gesicht zur Wand / Face the Wall
DARSTELLER: Anne K. / Catharina M. / Mario R. /
Andreas B./ Lothar R.
STAB: Regie / Buch Stefan Weinert, Kamera Lars Lenski
Montage / Dramaturgie Ruben S. Bürgam, Ton Roland Stähle, Sound Peter Veismann, Eric J. Francois /
Equinox Studios Luxembourg
www.gesichtzurwand.de / www.facethewall.eu

Wie eindrucksvoll bzw. berührend der Film ist, konnte man anlässlich der Premiere am 8. Februar 2009 in der Volksbühne Berlin erleben, für den die Bundesbeauftragte Marianne Birthler das Vorwort schrieb.

 In freundlicher Zusammenarbeit mit der Friedrich Ebert Stiftung Landesbüro Brandenburg und der Botschafterin des Großherzogtums Luxemburg in Berlin Frau Martine Schommer.


Eintritt  5,00 €   / Schüler 1,00 €