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17.09.10 19:30 Filmvorführung

“Touch The Sound“ Musik-Film

Eine Klangreise mit Evelyn Glennie

Dokfilm von Thomas Riedelsheimer D/GB 2004

Den Klang berühren, so beschreibt Evelyn Glennie das Hören. Als Solo-Perkussionistin ist sie ein Weltstar, obwohl sie seit einer Gehörerkrankung in ihrer Kindheit fast taub ist. Sie hat gelernt, anders zu hören, den Körper als Resonanzraum zu nutzen, den Klang zu spüren. 

"Hören ist eine Form der Berührung. Etwas, das so schwer zu beschreiben ist, etwas, das zu einem kommt. Man fühlt mit dem ganzen Körper", sagt Evelyn Glennie. Regisseur Thomas Riedelsheimer begibt sich in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm "Touch the Sound" mit Evelyn Glennie auf eine filmische Expedition ins Innere dieser Klangwelten.

„Rhythmus ist Bewegung, Fließen, Veränderung, Erneuerung und Wiederholung. Unsere Erfahrung von Zeit basiert auf Rhythmus. Nichts existiert ohne Schwingungen, ohne Bewegung. Unsere Vorstellungen von Stabilität und Festigkeit sind Illusion. Alles bewegt sich, alles schwingt, von der Brücke aus Stahl und Beton bis zu den Energiefeldern der Atome. Wir erkennen und erfahren die Welt durch Schwingungen, durch Rhythmus – sogar Farben oszillieren in verschiedenen Frequenzen. Alles vibriert, alles ‘spricht’ – ein Universum des Klangs. Die Perkussionistin Evelyn Glennie lebt auf eine Weise in diesem Universum wie kaum jemand sonst. Touch The Sound will zusammen mit ihr in diese Welt des Klangs und der Rhythmen eintauchen.” Thomas Riedelsheimer 

Den Klang berühren – so beschreibt Evelyn Glennie, als Solo-Perkussionistin ein Weltstar der klassischen Musik, das Hören. Nachdem sie in ihrer Kindheit ihr Gehör weitgehend verlor, hat sie gelernt, anders zu hören, den Körper als Resonanzraum zu nutzen, den Klang zu spüren. Regisseur Thomas Riedelsheimer und Evelyn Glennie begeben sich auf eine Expedition ins Innere dieser Klangwelten, die alle unsere Sinne fordert. Ausgehend von einer alten Fabrikhalle in Dormagen, wo Evelyn mit Fred Frith ihre erste CD mit improvisierter Musik aufnimmt, unternimmt der Film eine Reise um die Welt, nach Japan, Kalifornien, New York und Schottland. Gemeinsam mit Evelyn Glennie und ihren musikalischen Partnern tauchen wir ein in ein faszinierendes Universum, in dem wir beginnen, Bilder zu hören und Klänge zu sehen. 

Der Ausgangspunkt der Klangreise sind die Geräusche, Klänge und Rhythmen, die uns im täglichen Leben umgeben, das Klackern der Kofferrollen auf einem gläsernen Flughafen-Deck, das Schwirren und Brummen der unendlichen Reihen von Klimaanlagen in den Häuserschluchten von New York, das Echo der Nebelhörner in Nordkalifornien, das Stimmengewirr in einer japanischen Kaufhalle. Von dort führt der Weg tiefer, zur Entstehung und den Ursprüngen des Klangs, zur Erkundung des Rhythmus als Grundlage jeder Lebensform; vom Atem zum Herzschlag, von der Stille zur Musik, vom Hören zum Sehen und zum Fühlen, von der Schwingung zur festen Materie.

Die Klangbilder, Rhythmen und akustischen Erinnerungen verweben sich mit den musikalischen Begegnungen Evelyn Glennies. Eine Jamsession mit dem legendären Drummer Horacio Hernandez auf dem Dach eines Wolkenkratzers in New York, die wilden Trommeln der japanischen Taiko-Gruppe Ondekoza, ein Duett mit der Steptänzerin Roxanne Butterfly, das faszinierende Zusammenspiel mit Fred Frith. 

Wie schon in Rivers And Tides, seinem vielfach preisgekrönten Film über den Land Art-Künstler Andy Goldsworthy, durchbricht Thomas Riedelsheimer die konventionellen Kategorien der Wahrnehmung und die scheinbare Linearität der Zeit. Im Zusammenspiel der faszinierenden Bilder und der subtilen Tonspur wird Touch The Sound zu einer magischen Kinoreise von betörender Sinnlichkeit. Herzschlag 

Die ersten Sinneseindrücke für einen Menschen sind wohl Vibrationen, Rhythmen und Töne, lange bevor das Auge erwacht. Das eigene Herz verbindet uns mit der Welt – es ist unser individueller Taktgeber. Sein Schlagen erzählt von uns und unseren Krankheiten, von Ängsten und Sehnsüchten. Sein Rhythmus ist die wichtigste Maßeinheit der Musik. Die Beziehung von Puls und Musik ist wechselseitig und vielschichtig. Musik kann heilen, deprimieren, entfesseln und „aus dem Herzen sprechen“. Unser Herz verlangsamt oder beschleunigt sich zum Rhythmus der Musik, die wir hören. Der Körper scheint sich mit den Schwingungen der Umwelt zu synchronisieren. Wir sind eingebettet in ein Universum von Zyklen und Rhythmen.

„Thomas Riedelsheimers Protagonistin Evelyn Glennie sucht die Töne hinter den Tönen. Etwas, das unter der Oberfläche liegt. Genauso sucht Riedelsheimer Bilder hinter dem Augenschein der Dinge und versucht, das Unsichtbare oder Unbeachtete sichtbar zu machen. Es gelingt ihm, Evelyn Glennies Form der Wahrnehmung so in Bilder und Töne zu übersetzen, dass sie im Kinosaal nachvollziehbar wird. Riedelsheimer findet eine Vielfalt von Bildern, mit denen er die ausgefeilte Tonspur zu einem sinnlichen Ganzen verbindet. Touch The Sound ist ein Film über das Hören mit dem ganzen Körper.“ Filmbulletin 

www.touch-the-sound.de