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Archiveintrag

09.11.10 19:30 Filmvorführung

„Der Neunte Tag“

UND FÜHRE MICH NICHT IN VERSUCHUNG…

D/Luxemburg 2004, Drama ab 12 Jahren, 90 min, Regie:Volker Schlöndorff, Darsteller:Ulrich Matthes, August Diehl, Hilmar Thate, Bibiana Beglau, Germain Wagner, Jean-Paul Raths, www.derneuntetag.de

 Eine Entscheidung auf Leben und Tod - neun Tage, die Abbé Henri Kremer (Ulrich Matthes) in seinen Grundfesten erschüttern, die nicht nur über sein Schicksal, sondern auch über das seiner Freunde und seiner Familie entscheiden werden. Auge in Auge mit dem Luxemburger Gestapo-Chef (August Diehl) und seinen eiskalt kalkulierten Argumenten kommt Henri in Versuchung. Er muss am neunten Tag bekennen, auf welcher Seite er steht. 

Im Januar 1942 wird der Luxemburger Priester Kremer für neun Tage aus dem KZ Dachau entlassen. Sollte er nicht zurückkehren, droht seinen Mithäftlingen der Tod. Einzig die Zusammenarbeit mit der Gestapo könnte ihn retten, aber dies hieße, seinen Glauben zu verraten. Der Abbé gerät in einen unerträglichen Gewissenskonflikt.Im sogenannten Pfarrerblock des Konzentrationslagers Dachau sind Geistliche aus ganz Europa inhaftiert. Einer von ihnen ist der luxemburgische Priester Henri Kremer, im KZ wegen seines Widerstandes gegen das Naziregime. Hilflos muss er mit ansehen, wie Mithäftlinge grausam ermordet, ja sogar gekreuzigt werden. Im Januar 1942 wird Kremer unerwartet ein neuntägiger Urlaub gewährt - doch dieser ist an eine furchtbare Bedingung geknüpft: Sollte er nicht ins Lager zurückkehren, werden seine sämtlichen Mithäftlinge aus dem Pfarrerblock exekutiert. Daheim in Luxemburg muss er sich täglich bei Untersturmführer Gebhardt melden. Der macht ihm ein schreckliches Angebot: Er verspricht Kremer die Freiheit, wenn er den passiven Widerstand des luxemburgischen Bischofs bricht und ihn zur Unterstützung von Hitlers Kirchenpolitik bewegt. Sollte Kremer stattdessen fliehen, brächte er nicht nur das Leben seiner Leidensgenossen sondern auch das seiner Familie in Gefahr. Hin und her gerissen zwischen den grausamen Erinnerungen an das Leben im KZ und seinen festen Glauben an Gott, gerät Kremer in einen schier unerträglichen Gewissenskonflikt. Der junge Karrierist Gebhardt, selbst geweihter Diakon, benutzt seine religiösen Kenntnisse und Überzeugungen als Waffe im Intrigenspiel um Kremer, in dem er die Rolle des Versuchers übernommen hat, der Kremer zum Verrat anstiften will. Schließlich hält der Abbé dem Drängen Gebhardts stand und kehrt ins Lager zurück.

Volker Schlöndorff ist mit "Der neunte Tag" ein eindringliches, so bildmächtiges wie spannendes Werk gelungen, welches in einer überzeugenden Ästhetik das Grauen eines verbrecherischen Mördersystems widerspiegelt, ohne dabei die gegenwärtigen Adressaten aus den Augen zu verlieren. Exemplarisch thematisiert der Film die Haltung der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus und stellt auf diese Weise die noch immer gültige Frage nach Gewissen, Glauben, Verrat und Schuld. Dabei verzichtet Schlöndorff auf Gut-Böse-Klischees, denn auch Gebhardt ist eine gebrochene Figur und wird so zum glaubwürdigen Gegenspieler Kremers.

PREISE :Camerimage - XII International Film Festival of the Art of Cinematography (Lodz, Polen) / 2005 Filmpreis in Gold für Ari Hantke für das beste Szenenbild / Fajr International Film Festival (Teheran, Iran) / 2. Mai 2010 ... Im Rahmen des Münchner Filmfests wurden Schlöndorff und Produzent Jürgen Haase für "Der neunte Tag" mit dem Bernhard Wicki Filmpreis ausgezeichnet.

Unsere Veranstaltung ist eingebunden in das Gedenken an die Pogromnacht 1938 in Nazideutschland, deren 72. Jahrestag wir in diesen Tagen begehen.

In freundlicher Zusammenarbeit mit Botschafterin des Großherzogtums Luxemburg in Berlin Frau Martine Schommer.

Zur Filmdiskussion sind Volker Schlöndorff und Darsteller eingeladen.

Bitte beachten Sie die Tagespresse.