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Archiveintrag

14.04.11 19:30 Lesung

„Weggesperrt“ Lesung und Gespräch

Mit der Autorin  Grit Poppe und der

Zeitzeugin Kerstin Kuzia.

Als Anjas Mutter einen Ausreiseantrag aus der DDR stellt und von der Stasi verhaftet wird, kommt die 14-Jährige in einen Jugendwerkhof, eine Einrichtung der Jugendhilfe. Geschockt von der Willkür der Erzieher, der Gewalt und dem Drill will Anja nur noch fliehen. Tatsächlich gelingt ihr die Flucht, aber nur für kurze Zeit. Anja fragt sich immer wieder, was sie eigentlich verbrochen hat. Als sie eines Tages ausrastet, bringt man sie nach Torgau, in eine geschlossene Einrichtung...       Zwanzig Jahre nach der Wende veröffentlicht Grit Poppe einen Roman, der die Jugendwerkhöfe in der DDR zum Thema macht. Über 50 solcher Einrichtungen gab es. Hier wurden sogenannte schwererziehbare Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren eingewiesen. Dabei handelte es sich keineswegs immer um verhaltensgestörte oder kriminelle junge Menschen, sondern auch um Kinder von Regimegegnern und "aufmüpfige" Jugendliche, die sich der "Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit" verweigerten. Diese jungen Menschen wurden ohne juristisches Verfahren oder richterlichen Beschluss weggesperrt, ihr Charakter gezielt gebrochen.

Leseprobe

Der Wagen hielt vor einem grauen Eisentor.
Anja warf einen letzten Blick zurück über die Schulter. Sie wollte das Tor nicht ansehen, das sich öffnete, für sie öffnete. Unendlich langsam, mit einem scharrenden Geräusch; Metall zog über Metall.
Der Wartburg fuhr auf den Hof. Niemand sagte ein Wort.
Anja sah eine hohe Mauer auf der rechten Seite, links das Gebäude mit den vergitterten Fenstern. Vor ihr ein zweites Tor. Wie in Zeitlupe schob sich die graue Metallwand hinter ihr zu. Das war’s also, ja? Sie wurde weggesperrt. In den Knast. Das Wort
Hochsicherheitstrakt kam ihr in den Sinn. Es konnte doch nicht sein, dass sie sie in ein Gefängnis steckten!? Ohne ein Urteil? Ohne eine Verhandlung? Ohne einen Richter? Einfach so?
„Wo … wo bin ich?“, stammelte sie.
„Du bist da, wo du hingehörst“, sagte der Erzieher. „Da, wo Leute deines Schlages hingehören.“

Der letzte Satz - Es wird alles anders werden.

Presse / Juni 2010: „Weggesperrt“ erhält den „LesePeter“ der AG Jugendliteratur und Medien der GEW„Grit Poppe hat einen fulminanten Jugendroman geschrieben, der jedem zeithistorisch interessierten Erwachsenen wärmstens ans Herz gelegt sei.“ Deutschland Archiv „Liest sich in einem Rutsch atemlos durch und ist eine hervorragende Diskussionsgrundlage für den Unterricht. Bisher unbehandeltes Thema, das in keiner Bibliothek fehlen sollte!“ ekz Bibliotheksservice „Zwischen Angst und Hoffen, Abstumpfen und Aufbegehren – es ist eine spannende und sehr berührende Geschichte gegen das Vergessen…“ Nordbayerischer Kurier „… authentisch und beklemmend …“ Focus online / dpa

Die Autorin Grit Poppe interviewte ehemalige Insassen und ließ deren zum Teil traumatische Erfahrungen in den Roman einfließen. Schnörkellos und authentisch wird über eine dunkle Facette der DDR erzählt.

Grit Poppe wurde 1964 in Boltenhagen an der Ostsee geboren. Sie studierte am Literaturinstitut in Leipzig. Von 1989 bis 92 war sie Landesgeschäftsführerin Brandenburg für "Demokratie Jetzt". Grit Poppe wohnt in Potsdam und hat zwei Kinder.

 

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