Anfahrt

Archiveintrag

27.04.11 19:30 Filmvorführung

Volker Koepp Filmreihe zur aktuellen Ausstellung

"NIDDEN UND DIE KURISCHE NEHRUNG"

1. Film

KURISCHE NEHRUNG

 

Malerei der Vergangenheit

Ostesee

Landkarte

Dokumentarfilm / Volker Koepp / D  2001 /
92 Minuten/ Farbe /      

Kamera: Thomas Plenert / Ton: Matthias Pfister, Uve Haussig / Schnitt: Angelika Arnold / Regieassistenz: Anja Fiedler / Tonmischung: Robert Jäger / Produktionsleitung: Fritz Hartthaler / Filmgeschäftsführung: Karin Fiedler / Pro-duzenten: Thomas Geyer, Barbara Frankenstein / Redakti-on: Ulrike Becker / Ebbo Demant /
Eine Produktion der Thomas Geyer Film mit Vineta Film, Berlin und Südwestrundfunk in Zusammenarbeit mit arte.

Wo die Memel durch ein Delta ins Haff mündet, trennt eine Landzunge Ostsee und Haff: Die Kurische Nehrung, ein achtundneunzig Kilometer langer Strich Land, der Cranz (Selenogradsk) im Süden mit Sandkrug (Smiltyne) im Norden verbindet. Vom Ufer des Haffs bis zum Strand der Ostsee sind es dabei oft nur wenige hundert Meter. Sturmfluten teilten hin und wieder die Nehrung. Zwischen Kiefern und Erlen hat der Wind die Wanderdünen vor sich hergeschoben: Der Sand hat manches Dorf begraben. Sarmatische Ufer, baltische Völker und Jahrhunderte deutscher Geschichte. Bald nach dem ersten Weltkrieg wird die eine Hälfte der Kurischen Nehrung mit dem Memelland litauisches Staatsgebiet, und nach dem zweiten Weltkrieg der bis dahin noch deutsche Teil dem russischen kalinigradskaja oblast, dem Königsberger Gebiet zugeschlagen und ist für Jahrzehnte unerreichbar. Volker Koepp und sein Kameramann Thomas Plenert zeigen eine Landschaft und ihre Bewohner. Wolken treiben über die Dünen hinaus aufs Meer. Ihre Schatten wandern über den Sand. Der Wind faucht ins Mikrophon. Die Menschen suchen nach ihrem kleinen Glück. Die Orte des Films liegen beiderseits der Grenze, zwischen den Dünen. Nidden, das litauische Nida und Rossitten, russisch: Rybatschi.

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Kurische Nehrung und das Fischerdorf Nidden von Reisenden, Malern und Schriftstellern entdeckt. Wilhelm von Humboldt, dem ohne die Kurische Nehrung ein wunderbares Bild in der Seele fehlen würde. Lovis Corinth und Max Pechstein. Thomas Mann, der sich in Nidden ein Sommerhaus baut.

Nach dem Krieg muss Litauen Sowjetrepublik werden. Doch anders als im russischen Teil der Nehrung bleiben hier einige Deutsche in ihren Heimatorten. Menschen wie die Rentnerin Renate, die 1961 einen russischen Matrosen geheiratet hat und in eigensinnig schönem Deutsch aus ihrem Leben erzählt. In Rossitten werden wie überall im nördlichen Ostpreussen nach 1945 die übriggebliebenen Deutschen abtransportiert und verschiedene Nationalitäten aus der Sowjetunion angesiedelt, wie der russische Filmvorführer, dem gerade seine Arbeit abhanden gekommen ist oder der Fischer mit seiner Frau, die verliebt im Gartenlokal sitzen und sich ein zweites Kind wünschen. Allen gemein ist der trotzige Optimismus mit dem sie dem Leben entgegentreten. Keine Maske, sondern der Ausdruck einer Ganzheit von Mensch und Landschaft.

Auf Verordnung des zuständigen UNESCO Ausschusses wurde die Kurische Nehrung in die UNESCO-Liste für Weltkultur- und Naturerbe als eine «Kulturlandschaft, die ein Beispiel der harmonischen Koexistenz von Natur und Mensch darstellt”, eingetragen.

Volker Koepp wird am 22. Juni 1944 in Stettin (heute Szczecin, Polen) geboren. Sein Vater ist Akademiker. Er absolviert seine Schulausbildung in Berlin, schließt sie 1962 in Dresden mit dem Abitur ab. Danach beginnt er eine Facharbeiterlehre als Maschinenschlosser in der Turbinenfabrik Dresden. Von 1963 bis 1965 studiert er an der Technischen Universität Dresden. Aber er entscheidet sich um und absolviert von 1966 bis 1969 ein Sonderstudium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg.

Filme (Auswahl): Mädchen in Wittstock (1975), Leben in Wittstock (1984), Kalte Heimat (1995), Fremde Ufer (1996), Wittstock, Wittstock (1997, VIENNALE 97), Herr Zwilling und Frau Zuckermann (1999, VIENNALE 99), Kurische Nehrung (2001, VIENNALE 01), Dieses Jahr in Czernowitz (2004, VIENNALE 04), Pommerland (2005), Schattenland - Reise nach Masuren (2005), Söhne (2007).

Volker Koepp gilt als einer der wichtigsten Deutschen Dokumentarfilmer und ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin.                       

www.koepp-kollektion.de