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Archiveintrag

05.04.09 16:00 Ausstellung

Körper und Raum Deutsche Skulptur im 20. Jahrhundert aus der Nationalgalerie Berlin

Ausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin/Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Rahmen der Föderalen Programme in der Klosterscheune Zehdenick.

Georg Kolbe (1877-1947) / Emporsteigende, 1926. / Bronze, H. 158 cm

„Plastik ist kein Spiel mit ästhetischen Formen, Plastik ist gebannte Vitalität und räumliche Realität. Vorsichtig tastend wächst sie in den Raum, blüht vegetativ in ihm auf oder stößt dynamisch mit großen Pulsschlägen gegen ihn, oder aber durchschwebt ihn transzendent – veränderliche, greifbare Poesie geworden, bestehend aus Höhen und Tiefen, aus beruhigten Formen und aufgerissenen Schründen.“ Diese 1964 notierten Worte Bernhard Heiligers lassen prägnant plastische Dimensionen aufscheinen und charakterisieren auch sein „Porträt Karl Hofer“ von 1951, das zu den Höhepunkten dieser ganz von der Sprache der Skulptur erfüllten Ausstellung gehört.

Von 36 Bildhauern stammen die 41 Werke, überwiegend Bronzen und Metallarbeiten, entstanden zwischen 1919 und 1988, die dem Raum der mittelalterlichen Klostergalerie eine gleichsam neue Leiblichkeit geben und in ihr ein neues Körper-Raum-Gefüge entstehen lassen. Denn diese wie mit eigener Energie aufgeladenen Gestaltzeichen – vor allem lebensgroße Aktfiguren, Porträts und Metallobjekte – entfalten hier in einem spannungsreichen Miteinander Verwandtschaften und Kontraste, ermöglichen durch die vergleichende Betrachtung eine besondere Intensität plastischer Erfahrung. Es geht dabei um solche haptische Wahrnehmungen, wie sie Wieland Förster in seinem Magdeburger Vortrag „Vom Inhalt der Form“ 1977 am Beispiel der Eiform beschrieben hat: „Sie ist die reichste, wunderbarste Form (…). Schon ihre Aufstellung oder Lage ergibt immer neue Werte. Jeder einzelne Abschnitt ist geprägt von Kräften, die sie aufwölben, spannen, auf- und absteigen lassen. Diese Form ist am ’organischsten’ und – wenn man will – durch ihre Asymmetrie allem Wachsenden am nächsten, auch dem menschlichen Körper.“

 Die „Emporsteigende“ von Georg Kolbe aus dem Jahre 1926 bildet den Auftakt dieser Präsentation, die im ersten Teil Bildhauer wie Scheibe, Kollwitz, Barlach, Karsch, Kasper, Blumenthal und Marcks zusammenführt. In der Mitte des großen Hauptsaales steht rustikal die 1946 geschaffene „Eva“ von Gustav Seitz und leitet zur Bildhauerkunst in der DDR über mit Künstlern wie Cremer, W. Grzimek, Lammert, Mucchi-Wiegmann, Balden, Graetz oder der damals jüngeren Generation mit Stötzer, Förster, Krepp, Schönfelder, Sammler, Henkel, S. Grzimek, Pansowová und Biebl – sehr oft Meisterschüler der Akademie der Künste zu Berlin.

Vor allem in der Bundesrepublik, aber nicht nur dort, entwickelte die abstrakte Gestaltung interessante Positionen. In Arbeiten von Uhlmann, K. Hartung, Kricke, den Matschinsky-Denninghoffs, Cimiotti, Hermanns und dem Dresdner Hermann Glöckner zeitigte sie überraschende Möglichkeiten eines freien Umgangs mit skulpturalen Dimensionen und offenbarte neue Formen im Verhältnis von Körper und Raum.

Dr. Fritz Jacobi / Kustos der Neuen Nationalgalerie

Eröffnung: Sonntag, 05. April 2009 / 16:00 Uhr

Rede:                     Dr. Fritz Jacobi, u.a.
Musik:                    Dirk Engelhardt Solo Saxophone

Für die freundliche Unterstützung dieser einmaligen Ausstellung möchten wir uns von ganzem Herzen bedanken bei der Nationalgalerie Berlin Herrn Dr. Fritz Jacobi, der Firma Belaj Fine Art Service GmbH, dem LOGOS Verlag  und der Staatskanzlei Brandenburg in Potsdam für Ihre kooperative Unterstützung.

Die Schirmherrschaft der Ausstellung übernimmt der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Herr Matthias Platzeck.