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13.01.18 15:00 Lesung, Filmvorführung

Das FINNISAGE Wochenende 13. & 14. Januar 2018 zum Abschluss der Ausstellung Barlach & Rando

Ein Finnisage Nachmittag mit Führung, Gespräch, Lesung und Film zur Ausstellung BARLACH & RANDO.

Ich hatte heut einen merkwürdigen Brief. Ein Leipziger Buchhändler, namens Müller, der sich seinerzeit als erster zum Ankaufe de >Berserkers< entschloss. Fragte nach der Adresse von Dietzel bei mir an. Müller hat das Stück, das infolge unsachgemäßer Behandlung gerissen war – ein Riss, der sich später glücklich wieder schloss -, offenbar über Cassirer für zweitausend Mark erworben und in der Folge Dietzel überlassen. Dietzel, mit dem ich im Lübeck kurz zusammentraf, hat sicher, ich weiß nicht aus was für Gründen, wieder entäußern müssen, so ungern er sich davon trennte; wie ich dieser Gelegenheit erfahre, für den bemerkenswerten Preis von sechstausend Mark, ohne dass er indes die Müllersche Rechnung beglichen hat. So geht die handelnde Welt mit den Dingen um, die uns einmal nahe am Herzen lagen. Dietzel ist inzwischen gefallen; und Müller, dem ich nicht helfen kann, mag sehen, wie er zu seinem Rechte kommt. 1916

Ich darf mit gutem Rechte von mir sagen. Ich habe meinen ganzen Krempel von der Straße geholt, nicht aus den Museen oder von der Akademie. Februar 1935

Was für Arbeit würde es mir machen, meine Modelle zu verpacken, wenn ich fortzöge. Ich müsste sie schlechterdings hierlassen. Ich habe in Berlin noch eine Reihe von Entwürfen stehen, die ersten russischen Bettler, Studien aus Wedeler Zeit, die ich ungern verschenken möchte. Aber ich habe den Namen des Bildhauers, der sie in Verwahrung nahm, rein vergessen und weiß nicht einmal, wo sie sich jetzt befinden. April 1918

Die >Gehenkte< [das Relief <Die gemarterte Menschheit<] ist mir lieber als der >Moses<. August 1919

Aus einem Gespräch im Preußischen Kultusministerium über das Kruzifix für Soldatenfriedhöfe im Osten: Man gab mir zu bedenke, es wäre schließlich doch auch zu fragen, wie sich mein Christus mit dem Begriff seine göt tlichen Herkunft schlechterdings vertrage. Ich antwortete: ich habe noch keinen  Gott gesehen! 1918

Während der Arbeit am Kruzifix: Das muss ich mir alles aus den Fingern saugen. Der schönste Akt, der hier hinge, würde mir nur eine Faxe zeigen, die ich nicht brauchen könnte. Juni 1918

Besucherin, vor einer Plastik, geradezu: Herr Barlach, was haben Sie sich eigentlich dabei gedacht?

Barlach: So dürfen Sie nicht fragen. Wenn ich mir was dabei gedacht hätte, dann hätte ich das Zeug nicht mehr zu machen brauchen!

Besucherin, nur noch beharrlicher: Aber, Herr Barlach, was ist denn das eigentlich? Barlach, kurz: Die äußere Darstellung eines inneren Vorgangs! Januar 1918

Quelle: Auszug aus dem Buch von Friedrich Schult „Barlach im Gespräch“ mit ergänzenden Aufzeichnungen des Verfassers Herausgegeben von Elmar Jansen / 1987 / InselVerlag - Leipzig

Der Eintritt ist frei. Um eine Spende zur Unterstützung der Ausstellung wird am Ausgang herzlich gebeten.